Avocado? Du Umweltsau!

Vor einigen Wochen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben eine Avocado gekauft. Da alle so begeistert davon sind, wollte ich es auch mal ausprobieren. Prompt bekam ich von einer Freundin mit erhobenem Zeigefinger einen Einlauf mit Schuldgefühlen verpasst. „1000 Liter Wasser für eine EINZIGE Avocado!!!!“ schallte es mir entgegen.

Diese Diskussion war mir in den letzten Jahren natürlich nicht entgangen und nun, durch die mir „freundlicherweise“ überlassenen Schuldgefühle stellte ich mir die Frage: Stimmt das überhaupt? Und wenn ja: Wie viel ist das im Vergleich zu anderen Lebensmitteln?

Ich machte mich also auf die Suche nach den Fakten und wenn du möchtest, dann komm mit und wir klären, ob ich mich schämend in die Ecke stellen muss.

#gesellschaft

Disclaimer

Das Wichtigste vorweg: Ich habe keine Ahnung! Ich bin selbst nur ein Otto Normalverbraucher mit Realschulabschluss und ner fetten Depression am Hals. Ich habe also nicht das fachliche Wissen selbst Studien und dergleichen zu lesen und einzuordnen. Und die Energie mich da richtig bis in die Tiefe einzuarbeiten habe ich ebenfalls nicht.

Man könnte aber auch einfach sagen, dass die meisten anderen Menschen das auch nicht tun und es ist vielleicht ein kleiner Test, was man so herausfinden kann. Ich erspare euch hier den eigentlich nötigen Rant zu Paywalls, das wisst ihr ja selbst.

Buntes Wasser

Bevor wir uns die Menge Wasser anschauen, die die Herstellung unserer Lebensmittel verbraucht, müssen wir erst einmal fragen: Welches Wasser wird da verbraucht?

Dafür verwendet man „virtuelles Wasser“, das durch Farben repräsentiert wird.

Grünes Wasser

Grünes Wasser ist das, was natürlich im Boden enthalten ist und das die Pflanzen auch ohne Eingriffe des Menschen aufnehmen würden. Es kommt z.B. aus Niederschlägen wie Regen und Schnee. Es ist dadurch in aller Regel unbedenklich.

Blaues Wasser

Blaues Wasser stammt aus Oberflächengewässern (Flüsse, Seen, etc.) oder tief aus dem Boden (Grundwasser). Es wird zur künstlichen Bewässerung von landwirtschaftlich genutzten Flächen verwendet. In vielen Regionen wird das ein immer größeres Problem.

Graues Wasser

Eine wirkliche Umweltkatastrophe ist aber die Nutzung von grauem Wasser. Damit bezeichnet man sauberes (in der Regel aufbereitetes) Wasser, das nötig ist, um Verschmutzungen (z.B. durch Düngemittel, etc.) ausreichend zu verdünnen. Es geht hier aber nur um Süßwasser. Die Verschmutzung von Meerwasser wird hier nicht betrachtet.

Ich habe über die Mengen der jeweils genutzten Wasserart leider gar nichts gefunden. Das dürfte auch an den grundsätzlich recht unterschiedlichen Verbräuchen liegen. In Spanien, Tunesien und Marokko, wo ein beunruhigend hoher Anteil unserer Lebensmittel herkommt, wird bspw. hauptsächlich blaues und graues Wasser verwendet. In anderen Regionen der Welt mag das anders sein.

Bin ich denn nun eine Umweltsau?

Schauen wir uns jetzt mal die Mengen an. Die folgenden Daten beruhen auf einer Grafik von Warenvergleich.de (Link am Ende). Ich habe mehrere Artikel dazu gelesen und die Werte schwanken dort nur wenig. Ich verwende aus Barrierefreiheitsgründen hier nicht die Grafik aus dem Artikel, sondern nehme die Werte in eine Tabelle.

Die Werte in der Spalte “Kilo” beziehen sich auf den Wasserverbrauch von 1 Kilo. In der Spalte „Einheit“ wird angegeben, wie viel Wasser ungefähr z.B. für 1 Erdbeere, 1 Tasse Kaffee oder 1 Avocado verbraucht wird. Die Grundlage hierfür sind gemittelte Angaben über mehrere Webseiten zu Gewicht der Lebensmittel.

Die Werte sind alle gerundete Literangaben.

Lebensmittel Kilo Einheit
Tomaten 110 16
Karotten 130 11
Kartoffeln 210 21
Salat 240 202
Erdbeeren 280 4
Zwiebeln 280 23
Salatgurke 350 210
Zitrone 360 29
Kuhmilch 600
Apfel 700 95
Mais 900
Pfirsiche 910 91
Bananen 940 131
Gerste 1.300
Weizen 1.410
Spargel 1.470
Avocado 1.500 300
Sojabohnen 2.050
Kokosnuss 2.500 5.000
Eier 3.300 198
Reis (roh) 3.470
Geflügel 4.000
Schweinefleisch 4.730
Hirse 5.000
Nüsse 5.000
Rindfleisch 15.490
Röstkaffee 21.000 1.273
Kakao 27.000

Was sagen uns diese Werte jetzt?

Die Avocado ist zwar mit ca. 300 Litern Wasser pro Frucht nicht grade genügsam, aber das Brot, auf dem die Avocado vielleicht gegessen wird, hat einen weit höheren Wasserverbrauch.

Der Wasserverbrauch eines Lebensmittels ist natürlich nur ein kleiner Teil der Diskussion um Ressourcenverbrauch. Auch viele andere Werte, wie CO2 Fußabdruck und sonstige Umweltschäden (z.B. Abholzung des Regenwaldes, starke Nutzung von Pestiziden, etc.) sollte man bei alldem im Blick haben.

Bin ich wegen einer Avocado jetzt eine Umweltsau? Vermutlich nicht. Trotzdem werde ich es damit nicht übertreiben. Außerdem ist eine Avocado doch ein recht teures Lebensmittel, das ich, als von Armut betroffener Mensch, mir sowieso kaum leisten kann.

Es ist also wie so oft: Einfach mal auf dem Boden bleiben und nicht ohne nachzudenken auf irgendeinen Hypetrain aufspringen.

Quellen:

Link zum Artikel von Warenvergleich.de

Link zum Artikel der Albert Schweizer Stiftung